112 Jahre Gaststätte Auf der Papagei 2

1902 - 2014

Gasthaus zum Schwanen
(Clarenz Eck)
Restaurant Kastanienhof



Josef Clarenz, der Gründer des Hauses wurde 1865 in Siegburg geboren. Er lernte das Brauerei-Handwerk in Köln-Mülheim und übernahm, als sein Vater starb, die Clarenz-Brauerei in der Tönnisbergstraße 2 im Jahr 1890. Er heiratete vier Jahre später Anna Maria Löwen aus Meisenbach im Westerwald und nahm sie mit in das elterliche Geschäft. Dort lebten sie acht Jahre lang mit seiner Mutter und seinem Bruder Heinrich und bewirtschafteten gemeinsam die Gaststätte mit der Brauerei. Es wurden vier Kinder geboren: Josef, Willi, Maria und Helene.

Weil die junge Familie gern für sich sein wollte, versuchte Josef Clarenz, ein Haus Auf der Papagei zu kaufen, bekam aber hierfür keine Konzession. Er entschloß sich zu dem Grundstückskauf Auf der Papagei Nr. 2, den seine Frau finanzierte. Das Geld für den Bau mußte geliehen werden.


1902

wurde mit dem Hausbau begonnen und noch im selben Jahr das "Gasthaus zum Schwanen" eröffnet.

Damals war das Stadtviertel, das sich vom Bahndamm zum Ortskern von Wolsdorf hinstreckte, gerade in der Entwicklung begriffen. Die Straßen waren noch nicht ausgebaut. Von der Tongrube Lichtenberg fuhren täglich die Pferdegespanne mit Ton über den bei Regenwetter sumpfigen Weg. Gegenüber der Gaststätte war ein großer Weiher mit Schilf und Schwänen, deshalb nannte Josef sein Haus "Gasthaus zum Schwanen".

Es wurde ein beliebter Aufenthalt für Gäste.
Die Gaststätte in der Tönnisbergstraße führten seine Mutter mit ihrem Sohn Heinrich allein weiter, die Brauerei übernahm Josef Clarenz. 14 Jahre später verlegte er sie auf den Wolsberg und erbaute dort später das Hotel Restaurant Siegblick, das Pfingsten 1927 eröffnet wurde.

Zur Bewirtschaftung des "Siegblicks" nahm Josef seine Kinder Willi, Maria und Helene mit. Seine Frau und die beiden Mädchen mußten das Gasthaus zum Schwanen allein führen. Beide Geschäfte liefen gut. Auf dem "Siegblick" wurde sehr dringend Hilfe benötigt, so wurde im Jahr

1930

das Gasthaus zum Schwanen an die Familie Lancier verpachtet und die restliche Familie zog zum "Siegblick".

1935

heiratete Willi Clarenz Ida Behler aus Niesen in Westfalen. Ihr Vater war Sägewerksbesitzer und Bauunternehmer in Niesen und beschäftigte damals 100 Leute. Er war der größte Arbeitgeber im Dorf. Ida Behler brach ihr Zahnmedizinstudium ab und bereitete sich als Volontärin im "Margaretenkreuz" im Siebengebirge auf ihre zukünftigen Aufgaben als Gastwirtin vor. Willi hatte eine Ausbildung als Brauer (Meisterbrief 1926 in München) und Landwirt (Landwirtschaftsschule Hennef). Jahrelang hatte er im elterlichen Betrieb beim Aufbau des Hotel Restaurant Siegblick während seiner Jugend schwerste Arbeit geleistet und war fest davon überzeugt, für die Übernahme des "Siegblicks" bestimmt zu sein.

Der ältere Bruder hatte die Beamtenlaufbahn eingeschlagen (er wurde später Oberkreisdirektor des Siegkreise). Seine vier Schwestern aber wollten den Siegblick weiterführen, so daß sein Vater dem jungen Paar die Führung seiner Gaststätte "Zum Schwanen" übergab. So kehrte Willi mit seiner Frau in das elterliche Haus Auf der Papagei 2 zurück.

1945

bei dem Bombenangriff am 9. März fielen auf der Papagei vier Bomben. Das Haus wurde stark beschädigt. Es dauerte Jahre bis allein die Fensterscheiben ersetzt werden konnten.

1948

nach der Währungsreform begann der wirtschaftliche Aufschwung. Da wo die Veranda gestanden hatte, wurde ein Anbau errichtet und als Postnebenstelle vermietet.

1949

wurde eine Kegelbahn gebaut und zwei Garagen.


1954

entstand nach Ablauf des Mietvertrages mit der Post aus der ehemaligen Veranda ein Gesellschaftsraum und darüber eine Mietswohnung.
Der 1. Fernsehapparat in Wolsdorf wurde vor der Fußballweltmeisterschaft angeschafft; das war eine Sensation! 120 Gäste verfolgten gespannt die Spiele vor dem Schwarz-Weiß-Bildschirm.


1961

wurde die 2. Kegelbahn gebaut, damit die Sportkegler ihre Wettkämpfe in der "Clarenz Eck", wie die Gaststätte auch genannt wurde, austragen konnten. Besondere Höhepunkte waren außerdem jährlich die Karnevals- und Kirmesveranstaltungen, sowie Tanz in den Mai und Silvesterball.

Gern setzte sich Willi Clarenz ans Klavier und unterhielt die Gäste mit beliebten Melodien zum Mitsingen.



Eine ehemalige Wolsdorferin erinnerte sich mit 88 daran, daß immer ein Glas mit Soleiern auf der Theke stand und daß sie dort ihr erstes und einziges Solei gegessen hat. Ein alter Wolsdorfer erinnert sich daran, in der Gaststätte zum Schwanen große Glas-Krüge mit Bier und Zitsch zum Abenessen geholt zu haben.

Auch an Streiche erinnert er sich gern, z. B. wie er mit seinen Pänz die Eingangstür zur Wirtschaft mit Kordel zugebunden hat oder wie sie mit Wasser gefüllte Luftballons auf die Tische im Biergarten manövriert haben, um den Gästen einen Streich zu spielen. Sie haben viel Spaß dabei gehabt.

Nach dreißigjähriger Führung wurde die Gaststätte

1965

verpachtet. Der Sohn Reiner wollte das Hotel Restaurant Siegblick übernehmen und die Tochter Doris war nicht an der Gaststätte interessiert. Sie besitzt ein eigenes Cafe in Portugal und eine Golfschläger-Klinik mit Abschlagplatz in Köln.

1977

starb Ida Clarenz nach schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren.

1978

starb Willi Clarenz mit 81 Jahren.

Die Kinder Reiner und Doris erbten das Elternhaus. Reiner zahlte seine Schwester aus und übernahm das Anwesen. Nach der Haushaltsauflösung wurde die Wohnung vermietet. Trotz erheblicher Investitionen wechselten die Pächter in der Gaststätte häufig. Schulden blieben zurück.

Der erste Pachtvertrag war mit der Oberkasseler Brauerei abgeschlossen worden, ging dann über auf die Römer Brauerei in Köln.

1992

wurde er an die Sester-Brauerei weitergegeben. Eine Grundrenovierung und große Investitionen erfolgten vor der Eröffnung eines kroatischen Restaurant mit dem Namen "Kastanienhof", den das Ehepaar Pervan leitete.

1999

übernahm der Kölner Verbund Vertrieb Kölscher Bierspezialitäten GmbH & Co KG den Pachtvertrag. Ehepaar Sabo löste Herrn Pervan ab.

Das Restaurant ist bei den Gästen sehr beliebt. Herr und Frau Sabo mit seinen freundlichen Mitarbeitern setzen sich sehr für die Gäste ein, sie verstehen ihr Fach bestens.

2002

hat Herr Sabo eine Hofüberdachung anfertigen lassen und die Außenfläche liebevoll und gemütlich gestaltet, damit seine großzügige, bequeme Terrassenbestuhlung auch bei feuchter Witterung genutzt werden kann. Im Herbst besteht das Haus Auf der Papgei 100 Jahre. Das genaue Datum ist nicht bekannt. Dem gastlichen Haus wünschen wir für die Zukunft viel Glück und zufriedene, treue Gäste, die gern wiederkommen und hier frohe Stunden erleben.


Die Chronik wurde zusammengestellt von Barbara Clarenz im Mai 2002